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Überwachungskameras

"big brother is watching you" - An dieses Zitat aus dem Roman "1984" von George Orwell fühlt man sich erinnert, wenn man durch die Zentren von Europas Städten spaziert. Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen sollen die Sicherheit erhöhen. Doch wer sitzt an den Monitoren ? Wo wird das gefilmte Material gespeichert und wie wird es ausgerwertet ? Längst ist es durch Vernetzung, Gesichtserkennung und Rasterfahndung möglich, automatisch Bewegungsprofile von beliebigen Personen zu erstellen. Ist eine schleichende Erosion der Privatsphäre unvermeidbar ?
Im Gegensatz zu klassischer Datenermittlung mittels Erhebungen und Formularen gestaltet sich die Videodatenerfassung völlig anders. Neben der Erfassung jener Personen, die der eigentliche Zweck einer Videoinstallation sind, meist Straftäter oder Personen mit sozial unerwünschtem Verhalten, ist die überwiegende Zahl der erfaßten Menschen völlig unbeteiligt und steht im keinen Zusammenhang mit dem angestrebten Zweck der Installation. Für diese Personen, dem Schutz ihrer Privatsphäre und der Sicherung ihrer Rechte müssen zusätzliche Sicherheitsmassnahmen gesetzt werden. Darüber hinaus existieren eine Reihe von Videoanwendungen, die keinen personenorientierten Charakter haben, wie etwa die Verkehrsüberwachung. In diesem Fällen ist es notwendig, sicher zu stellen, dass die Anlagen nicht für die Personenüberwachung eingesetzt werden können. Videoinstallationen produzieren Datenschatten von unbeteiligten Dritten, vergleichbar den Gesprächsaufzeichnungen von unbeteiligten Dritten, die bei der Telefonüberwachung anfallen. Während jedoch die Telefonüberwachung streng reglementiert ist und genaue Vorgaben zur Nutzung dieser nebenbei anfallenden Informationen existieren, fehlen diese Regelungen bei Videoinstallationen völlig.
Die Künstlergruppe United Aliens erstellte eine Überwachungskarte der Wiener Innenstadt. 200 Kameras die den öffentlichen Raum überwachen (ohne U-Bahn-Anlagen) wurden festgestellt. Damit kommt die Wiener Innenstadt mit einer Kamera je 100 Einwohner den britischen Verhältnissen sehr nahe. Hier liegt die Kameradichte in den Ballungszentren bei einer Kamera je 50 Einwohner.

 

Das britische Innenministerium analysierte 24 Videoinstallationen und konnte in 13 Fällen ein Senken der Kriminalitätsrate feststellen, in vier Fällen stieg die Kriminalitätsrate und in 7 Fällen hatten die Videoinstallationen keine Auswirkungen. Je nach Berechnungsmethode wurde ein Kriminalitätsrückgang von 5-20% festgestellt. Eine Analyse der 'National Association for the Care and Resettlement of Offenders' (NACRO) zeigte, dass der Erfolg von Videoüberwachung wesentlich von der Bekanntheit der Videoinstallation und der 'Werbung' für sie abhängt. So waren die Rückgänge an Vergehen in der Installationsphase, als die Anlagen noch gar nicht in Betrieb waren, am größten.

Während in den meisten EU-Ländern auf die spezifischen Probleme, die sich aus der Videoüberwachung ergeben, längst mit eigenen Regelungen reagiert wurde, wird das Problem in Österreich völlig ignoriert. Nicht in allen Ländern sind die Regelungen geglückt, doch dokumentieren die einzelnen Regelungen das Verhältnis und die Einstellung der Gesellschaft zum Schutz der Privatsphäre. Die Weigerung, auf langjährige technische Entwicklungen zu reagieren, kommt einem Offenbarungseid der politischen Kultur gleich. Trotz fehlender amtlicher statistischer Unterlagen, kann dass Vidoüberwachungspotential für Östereich abgeschätzt werden. Rund 5.000 Kameras dürften direkt öffentliche Bereiche, wie Fußgängerzonen, Parks und Plätze überwachen, mindestens weitere 5.000 Kameras der Strassen-Verkehrsüberwachung dienen. Wesentlich höher sind die Installationszahlen, wenn alle öffentlich zugänglichen Bereiche, also Sportstätten, Schwimmbäder, Kaufhäuser, Restaurants, Trafiken, Banken, Garagen usw. hinzugerechnet werden. Allein im Bankenbereich liegt die Installationszahl bei über 10.000 Kameras, insgesamt umfaßt diese Gruppe etwa 100.000 Installationen. Eine weitere Gruppe umfassen die Zutritts- und Objektschutzkameras, die an den Aussenwänden von Gebäuden angebracht sind. Hier liegt die Zahl um 50.000 Installationen. Quantitativ nicht so bedeutsam, jedoch besonders problematisch sind jene Kameras die unter dem Titel Tourismuswerbung, Lifestyle und Marketing in Orten, Cafe's und Geschäftslokalen angebracht werden und die Bilder im Internet veröffentlichen. Rund 500 derartige Installationen sind grundsätzlich geeignet Personen erkennbar darzustellen.

(Texte auszugsweise aus Arge Daten Newsletter zitiert)
 

 
Artikel zur Kameraschwemme in Deutschland - Telepolis
Überwachungskameras zur Verhaltenserkennung - Telepolis



 

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